Nicht wir MigrantInnen sind das Problem!

Bozena Domanska vom VPOD-Netzwerk Respekt ist empört über die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative: „Nicht wir MigrantInnen sind das Problem – im Gegenteil: wir MigrantInnen lösen eure Probleme!“

Skandal: mutige Bożena Domańska entlassen – VPOD ruft zum Boykott auf!

05-domanska_868af2c7a2Die Polin Bożena Domańska kämpft für die Rechte von osteuropäischen Pflegerinnen, die in der Schweiz in Privathaushalten Senioren rund um die Uhr betreuen. Sie kämpft als Gewerkschafterin des VPOD für bessere Arbeitsbedingungen und erhielt dafür viel Medienaufmerksamkeit. Jetzt wurde sie entlassen.

Heute Morgen protestierten rund 40 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter des vpod und anderer Gewerkschaften vor dem Firmensitz der Perspecta AG gegen die Kündigung von Bożena Domańska, die Care-Migrantin aus Polen, die sich unerschrocken für gesetzeskonforme Anstellungsbedingungen bei den gewinnorientierten Spitex-Firmen wehrt.

Der VPOD forderte den Geschäftsleiter der Perspcta AG auf, die missbräuchliche Kündigung zurückzuziehen. Solange dies nicht der Fall ist, ruft der vpod die Bevölkerung zum Boykott der Firma Perspecta auf.

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„Billige Polinnen“ – Rundschau vom Juni 2011

Aus der Rundschau vom 29.06.2011, 21:01 Uhr

Wer seine alte Mutter zuhause umfassend pflegen lässt, zahlt für eine Pflegerin rasch 10‘000 Franken im Monat. Als Vermittler treten Schweizer Agenturen auf, die sich an die gesetzlichen Schweizer Arbeits- und Lohnbedingungen halten. Doch es geht auch billiger. In der Schweiz sollen inzwischen bis 30‘000 Privatpflegerinnen aus dem Osten arbeiten. Die meisten davon schwarz. Einblick in einen boomenden Markt mit vielen Fragezeichen.

Spiegel: „Polen: Ohne die Ukrainer[innen] geht nichts“

spiegelDer Spiegel, Onlineausgabe, Sonntag, 24.02.2008, Von Susanne Amann und Marta Glowacka, Warschau

An den meisten der sechs Millionen Rentner[innen] in Polen ist der Aufschwung der vergangenen Jahre vorbeigezogen. Die Durchschnittsrente reicht nicht für eine polnische Pflegerin und schon gar nicht für einen Heimplatz. Die Rettung für viele: Billige Pflegekräfte aus der Ukraine.

Janina Krawczyk hat Glück gehabt. Die 88-jährige Polin lebt seit über vierzig Jahren in ihrer kleinen Wohnung im Warschauer Stadtteil Zoliborz: Hier hängen die alten Fotos, hier stehen ihre Möbel, hier erinnert sie alles an ihren verstorbenen Mann. Allerdings lebt Krawczyk nicht allein, das wäre schon lange nicht mehr möglich. Denn die alte Dame kann sich nur noch mit Gehhilfen bewegen, leidet unter Bluthochdruck. Sie ist auf Hilfe im Haushalt angewiesen, wie viele der rund sechs Millionen Rentner[innen] in Polen.

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Who cares? Care-Arbeit im neoliberalen Geschlechterregime

widerspruch1Artikel von Sarah Schillinger im Denknetz 56/09 WIDERSPRUCH – 56/09

Fünfzig Jahre nach Iris von Rotens Kritik an der „gesellschaftlichen Entwurzelung der Frauen infolge ihrer grundsätzlichen Berufslosigkeit“ (von Roten 1958) ist die Mehrheit der Frauen in der Schweiz erwerbstätig: 76.6 Prozent der Frauen zwischen 15 und 64 Jahren gehen einer bezahlten Arbeit nach – die Schweiz hat im europäischen Vergleich eine sehr hohe Frauenerwerbsquote (BFS 2008a). Die Geschlechterverhältnisse sind damit in Bewegung gekommen: Das bürgerliche Ideal des „Hausfrauenmodells“ – auch als „männliches Brotverdienermodell“ bezeichnet, da der Mann der hauptsächliche Ernährer der Familie ist und die Frau (wenn finanziell möglich!) zuhause bleibt – hat stark an Bedeutung verloren.

Wenn Frauen aus Osteuropa unsere Betgaten pflegen

sozialemedizinBeitrag in: Soziale Medizin, 2. Juni 2013

Zurzeit richtet sich das öffentliche Interesse auf  Frauen aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern, die in schweizerischen Privathaushalten alte Menschen pflegen. Die Zeitschrift Soziale Medizin hat sich damit bereits anfangs 2010 ausführlich auseinandergesetzt. Hier das grosse Interview mit Angeline Fankhauser und Sarah Schilliger aus Soziale Medizin 1.10.  Vorweg ein paar Kernaussagen unserer Gesprächspartnerinnen:

„Wieso sollen alte Menschen nicht die Dienste von Migrantinnen in Anspruch nehmen dürfen, wenn man den Landwirten das Recht auf Saisonarbeiter zugesteht. Auch ich heisse die Pflege in privaten Haushalten nur unter der Bedingung gut, dass gewisse Arbeits- und Lohnbedingungen gewährleistet sind. Man muss diese Form der Pflege aus der heutigen Grauzone befreien. (Fankhauser)

„Wenn sich die Frauen beklagen, dann weniger über den tiefen Lohn, sondern vielmehr über die fehlende Privatsphäre, die Isolation und die grosse Verantwortung, die auf ihren Schultern lastet. (Schilliger)

 Gesprächspartnerinnen (Originalangaben von Januar 2010): 

  • Angeline Fankhauser, geb. 1936, Co-Präsidentin der Grauen Panther beider Basel und ehemalige Co-Präsidentin der VASOS (Vereinigung aktiver Senioren- und Selbsthilfe-Organisationen der Schweiz), ehemalige Zentralsekretärin des Schweizerischen ArbeiterInnenhilfswerkes und Präsidentin der Schweizerische Flüchtlingshilfe. SP-Nationalrätin von 1983 – 1999. 
  • Sarah Schilliger, geb. 1979, studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie in Zürich. Sie ist Assistentin am Lehrstuhl für Soziologie von Ueli Mäder (Universität Basel) und forscht im Rahmen ihrer Dissertation zur Pendel-Migration von Care-Arbeiterinnen aus Osteuropa in die Schweiz.
Gesprächsleitung und redaktionelle Bearbeitung: Ruedi Spöndlin

Care-Migrantinnen: St. Gallen will Anlaufstelle einrichten

wehrliSRF, Regionaljournal, 2. Mai 2013, Markus Wehrli

Erst wollte der Kanton St. Gallen eine Ausbildung für Care-Migrantinnen anbieten, hat dies jetzt aber aufgeschoben. Einerseits weil es schwierig sei, an diese Frauen heranzukommen und sie keine Ausbildung wollten. Andererseits weil der Kanton St. Gallen unter massivem Spardruck stehe, wie Roman Wüst, Generalsekretär des Gesundheitsdepartementes, gegenüber dem «Regionaljournal Ostschweiz» erklärt.

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Wann wacht die Bevölkerung endlich auf, schaut nicht weg und setzt sich für bessere Pflegebedingungen ein.

dombrowski

„Wann wacht die Bevölkerung
endlich auf, schaut nicht weg
und setzt sich für bessere
Pflegebedingungen ein.
Jeden von uns kann es treffen.“
Petra Dombrowski, Altenpflegerin

«Care Migrantinnen» in der Schweiz

171833.130724_altenpflegeBeitrag aus SRF 4 News aktuell vom 24.07.2013

Früher waren es die Angehörigen, die pflegebedürftige Menschen betreuten. Heute sind es immer häufiger auch so genannte «Care Migrantinnen»: Frauen aus Osteuropa, die in die Schweiz kommen und hier Alte oder Kranke zu Hause umsorgen.

Immer mehr Menschen möchten in der Schweiz zu Hause alt werden und sterben. Auf diese Anforderungen ist das Schweizer Gesundheitssystem noch nicht optimal vorbereitet – weder in finanzieller, noch in personeller Hinsicht.

Da die Pflege zu Hause Privatsache und damit auch eine Frage der eigenen finanziellen Möglichkeiten ist, arbeitet hierzulande eine wachsende Zahl von günstigen Pflegekräften aus Osteuropa. Wie viele es tatsächlich sind, ist nicht bekannt. Verlässliche Angaben fehlen auch weitgehend zu den Arbeitsbedingungen. Klar ist aber: Lebt eine Pflegerin im Haushalt, wo sie tätig ist, ist eine saubere Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit schwierig.

Werden künftig noch mehr «Care Migrantinnen» in die Schweiz einreisen, und wird ihre Arbeit weiterhin so billig sein? Iren Bischofberger, Pflegewissenschaftlerin der Kalaidos Fachhochschule diese und weitere Fragen bei Radio SRF 4 «News aktuell» beantwortet.

Geschäfte mit der Pflege – Billigkräfte aus Osteuropa

Frontal21 berichtet über Schwarzarbeit in der Pflege in Deutschland:

Bis zu 400.000 Pflegekräfte aus Osteuropa arbeiten derzeit in Deutschland, schätzen ExpertInnen. Viele von ihnen schwarz. Doch die deutschen Behörden schauen nicht so genau hin, weil sonst ein riesiges soziales Problem entstünde: In immer mehr deutschen Familien werden die billigen Betreuerinnen dringend gebraucht. Und so ist die Schattenwirtschaft in der Pflege seit langem geduldet. Und die rechtliche Auslegung vielen unklar. Betrügerische Agenturen haben es deshalb leicht: Sie vermitteln osteuropäische Pflegekräfte zu Hungerlöhnen, kassieren von deutschen Familien aber ein Vielfaches an Gebühren.

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