Die Haushaltshilfe – Pflegerinnen aus dem Osten

3sat, Dokumentarfilm von Anna Hoffmann, Deutschland 2010

„Ich will hier nicht bleiben!“ sagt Martina zu ihrer Mutter über eine Webkamera in einem Internetcafé am Bodensee. Die Mutter sitzt in der Slowakei und beruhigt ihre Tochter. Schließlich sind sie auf das Geld angewiesen.
Martina arbeitet als Haushaltshilfe und pflegt ein altes Ehepaar. Lore, die Hausherrin, sitzt im Rollstuhl und hat Schwierigkeiten, sich zu bewegen. Sonst strotzt sie vor Tatendrang. Im Haushalt hat sie die Zügel nach wie vor fest in der Hand. Ihr Mann Max kann zwar nicht mehr sprechen, beobachtet aber alles, was um sein Bett herum passiert. Es ist eine kleine Welt, der Lore vorsteht. Dass in dieses Idyll jetzt eine junge Slowakin eingedrungen ist, die Max und Lore pflegen und mit ihnen den Sommer verbringen soll, ist für Lore mehr als nur ein Wermutstropfen. Allein schon die deutsche Sprache birgt unzählige Probleme. Beim Spätzlemachen sagt Lore jeden Handgriff an, doch Martina ist nicht gewohnt, unter Aufsicht zu arbeiten. Lore will leben, und zwar mit Hilfe der jungen Frau, die alles genau
so zu erledigen hat, wie Lore sich das denkt. Ihr entgeht kein Handgriff Martinas und es ärgert sie sehr, wenn mangelnde Deutschkenntnisse die Kommunikation behindern. Schließlich gibt Lore ihrer Haushaltshilfe Vokabeln zum Lernen auf. Als Martina sich bei der Agentur beschwert, dass sie nicht genug zu essen bekommt, und sie sich weigert, noch vier weitere Wochen auf die zugesicherte Heimfahrt zu verzichten, feuert Lore ihre
Haushaltshilfe. „Darf ich dich fragen, was du jetzt denkst?“: Martina erhofft sich Rückhalt von ihrer Mutter, doch es kommt keine Antwort. Martina muss ihren eigenen Weg gehen.