Darum gibts das Netzwerk respekt@VPOD!

Unbenannt2Lieber Blick am Abend, darum gibts das Netzwerk respekt@vpod!

 Online Ausgabe vom 25. Juli 2013, Nadine Müller

Care-Migrantinnen übernehmen schleichend den Markt der Senioren-Betreuung. Erstmals zeigt ein nationaler Bericht, wie schamlos diese Pflegepersonen ausgebeutet werden.

Soziologen gehen davon aus, dass die Anzahl pflegebedürftiger Menschen bis ins Jahr 2030 auf 170’000 bis 230’000 Personen steigen wird. Und: Keiner will mehr ins Altersheim.

Blick am Abend, Mittwoch, 24. Juli 2013, S. 5.

Blick am Abend, Mittwoch, 24. Juli 2013, S. 5.

Blick am Abend, Print, Mittwoch, 24. Juli: Pflegerinnen als moderne Sklaven

 

24-Stunden-Betreuung für wenig Geld

Ein riesiges Business, das sich private Agenturen unter den Nagel gerissen haben. Pflegewillige Mitarbeitende aus Polen, der Slowakei, dem Kosovo und Deutschland reisen temporär in die Schweiz ein, um unsere Betagten zu betreuen.

Doch während private Pflegeagenturen gerne 6000 bis 8000 Franken pro Monat in Rechnung stellen, bezahlen sie den Pflegepersonen nur einen Minimalbetrag davon.

Eine Familienangehörige: «Die Betreuerin erzählte, sie bekäme nur etwa 1000 Franken.»  Diese Aussage geht aus dem aktuellen Bericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) hervor.

75 Franken pro Tag für eine Rundumbetreuung

Die Befragten, die für diese nationale Erhebung Angaben zu Lohn und Anstellungsverhältnis ihrer Care-Migranten machten, gaben teilweise an, 75 Franken pro Tag zu bezahlen oder den Betreuern eine Festanstellung zu bieten. Zu einem Dumpinglohn versteht sich.

Die von den Angehörigen genannten Beträge, die entweder als Lohn an die Care-Migrantin oder als monatliche Kosten an die Vermittlungsagentur entrichtet wurden, lagen zwischen 1200 und 4500 Franken.

Pflegende halten sich zum Teil illegal auf

«Leider gibt es Agenturen, die Menschen aus dem Ausland unter miserablen Arbeitsbedingungen anstellen. Problematisch ist es, wenn sich Angestellte schwarz in der Schweiz aufhalten und sich deshalb verstecken müssen.» Das erklärt Isabel Küffer vom Spitex Verband Schweiz.

Küffer weiter: «Die Spitex nimmt beispielsweise wahr, dass sich jemand im Haushalt aufhält, kann diese Person aber nicht in ihre Arbeit miteinbeziehen. Die Sicherheit und Qualität in der Betreuung müsse garantiert sein.

Weg mit den Dumpinglöhnen

In diesem Business aktiv auch ist die Caritas. Sie vermittelt Rumäninnen in die Schweiz. Im Moment stehen 40 Frauen als Betreuerinnen im Dienste der Caritas.

Die gesamten Kosten für die Caritas-Betreuung betragen 6490 Franken pro Monat.  Eine Rumänin, die einen betagten Schweizer betreut, wird von der Caritas mit netto 4050 Franken entlöhnt.  Die Caritas beschäftigt derzeit 40 Betreuerinnen, die jeweils drei Monate in der Schweiz bleiben.

Der frühere Zürcher Stadtarzt Albert Wettstein begrüsst diese neuen Betreuungsformen: «Die Zukunft liegt in diesem Modell, wenn die Ausbeutung ausgeschaltet wird und kompetente fachliche Beratung garantiert ist. Und: Die Betreuerinnen dürfen nicht rund um die Uhr verpflichtet sein.»

Warnung vor Geschäftemacherei

Wettsteins Vorschlag: Zwar in der Wohnung des Seniors leben, jedoch nur acht Stunden pro Tag arbeiten. «Am Abend sollen sie jedoch ihr Privatleben führen zu dürfen. Bei 90 Prozent aller dementen Menschen würde dies problemlos funktionieren.»

Eine 24-Stunden-Betreuung sei meist reine Geschäftemacherei, erklärt Albert Wettstein weiter.