Care-Arbeiterinnen gründen Netzwerk RESPEKT@vpod

protestpause_15-cmykNach der vom vpod unterstützten Lohnklage der polnischen 24-Stunden-Betreuerin haben zahlreiche weitere Care-Migrantinnen beim vpod Beratung und Unterstützung gesucht. Um sich eine Stimme zu geben, gründen Care-Migrantinnen und Angestellte in Privathaushalten am 13. Juni das Netzwerk RESPEKT@vpod.

Die betroffenen Frauen kommen  zum grossen Teil aus osteuropäischen Ländern wie Polen und Rumänien, sie arbeiten häufig als Live-ins (24-Stunden-Betreuung im Privathaushalt), aber auch in der stundenweisen Betreuung von Haus zu Haus. Auch zahlreiche Schweizerinnen lassen sich vom vpod beraten, weil mit den prekären Anstellungsbedingungen bei den profitorientierten Spitex- und Betreuungsfirmen ein Leben in Würde nicht möglich ist.

Es ist kein Zufall, dass das Netzwerk RESPEKT@vpod in Basel startet. Hier ist der Marktanteil der profitorientierten Spitex mit 30% ausserordentlich hoch (der nationale Durchschnitt liegt bei rund 10%). Aus der Region Basel schliessen sich dem Netzwerk rund 40 Betroffene an. Dieses steht auch Care-Angestellten aus anderen Regionen offen.

Das Netzwerk RESPEKT@vpod gibt den Live-Ins und Spitex-Angestellten mit prekären Anstellungsbedingungen eine Stimme und bekämpft die Ausbeutung im privaten Care-Sektor. Die Betroffenen finden im Netzwerk Rückhalt, Austausch mit Kolleginnen, Rechtsberatung und Unterstützung bei der Durchsetzung fairer Anstellungsbedingungen, wenn nötig auf dem Rechtsweg. Insbesondere für Live-ins, die häufig in sozialer Isolation und Abhängigkeit leben, ist die Vernetzung wichtig.

RESPEKT@vpod fordert insbesondere einen respektvollen Umgang, das Recht auf ein Sozialleben und die gesetzlich vorgeschriebene Frei- und Ruhezeit, die Einhaltung der Mindestlöhne und eine der Berufserfahrung angemessene Lohnentwicklung, vereinbarte Arbeitspensen statt Arbeit auf Abruf, Lohnfortzahlung bei Krankheit, Pensionskassen-versicherung, Kündigungsschutz und Mit-wirkungsrechte. Weiter will das Netzwerk den Care-Migrantinnen durch Aus- und Weiterbildung den Zugang zu ordentlichen Stellen in der Langzeitpflege eröffnen. Das Netzwerk wird von Fall zu Fall unakzeptable Arbeitsbedingungen bei gewinnorientierten Spitexbetrieben öffentlich zum Thema machen und auch auf diesem Weg Druck ausüben, damit die Lebens- und Arbeitsbedingungen der betroffenen Angestellten verbessert werden.

Bozena Domanska, vpod- und Spitex-Angestellte, ist zuständig für die Beratung der zahlreichen polnischen Care-Migrantinnen. Die 43jährige Polin arbeitete früher in der 24-Stunden-Betreuung in Deutschland und in der Schweiz. Als sie sich gegen die extreme Ausbeutung zur Wehr setzte, wurde ihr gekündigt. Sie verlor damals nicht nur ihre Stelle und ihren Lohn, sondern als Live-in auch das Dach über dem Kopf. Dennoch gelang es ihr, eine Lohnnachzahlung durchzusetzen. Ihre Erfahrungen nutzt sie jetzt in der Beratung ihrer Kolleginnen.

Für Bozena Domanska ist klar: „Wir sind keine Sklavinnen! Wir leisten unsere Arbeit gern, aber wir sind nicht mehr bereit, uns ausnützen zu lassen, wir wollen faire Löhne und Arbeitsbedingungen nach den hier geltenden Gesetzen!“

Bozena Domanska tritt im Dokumentarfilm „Hilfe aus dem Osten – Pflegemigrantinnen in der Schweiz“ auf. Der Film wird am 20. Juni auf SRF 1, 20.05 Uhr, gezeigt (Wiederholung 21. Juni, 11.10 Uhr)

Medienmitteilung vom 13.6.2013