13.8. Zischtigsclub schauen: Bozena und Katharina Prelicz-Huber diskutieren!

Bozena Domanska und die Präsidentin des VPOD, Katharina Prelicz-Huber, sowie die Wissenschaftlerin Sarah Schillinger diskutieren im Club des Schweizer Fernsehen über die  Situation von Langzeitpflegenden.

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Immer mehr Frauen aus Osteuropa betreuen unsere Betagten. Sie sind beliebt wegen ihrer Herzlichkeit und begehrt, weil sie für geringe Löhne rund um die Uhr arbeiten. Skrupellose Vermittler, aber auch Betagte mit wenig Geld nutzen das schamlos aus. Die Care-Migration aus dem Osten birgt Zündstoff.

Mit der Überalterung wächst auch die Zahl der Betagten, die im Alltag auf Betreuung und Pflege angewiesen sind. Der Personalmangel wird mit Migrantinnen aus Osteuropa kompensiert. Sie verdienen als Arbeits-Pendlerinnen das Geld, das ihre Familien im Herkunftsland dringend benötigen. Viele der Frauen aus Ungarn, Polen oder Tschechien arbeiten schwarz oder unter prekären Bedingungen. Sie sind nicht zuletzt deswegen so beliebt, weil sie sich in die Familie der Betreuten integrieren. Ihre Gutmütigkeit macht sie jedoch besonders anfällig für Ausbeutung jeder Art.

Skrupellose Vermittlungsagenturen wittern ein Geschäft im boomenden Betreuungsmarkt, die schwarzen Schafe unter ihnen bezahlen weniger als 2‘000 Franken im Monat für eine 24-Stunden-Betreuung. Ihr Argument: Die Frauen seien zwar rund um die Uhr auf Abruf, arbeiten würden sie jedoch oft nur wenige Stunden am Tag. Für die Gewerkschaften ist das pure Ausbeutung. Sie warnen jedoch auch vor den langfristigen Folgen des Lohndumpings: die Attraktivität der Pflegeberufe sinkt und damit die Qualität der Pflege.

Viele der Care-Pendlerinnen aus Osteuropa arbeiten klaglos und sind dankbar dafür, dass sie in der Schweiz ein Erwerbseinkommen finden. Ob das so bleibt, ist fraglich. In Basel haben sich jüngst Unzufriedene aus ihrem Kreis zusammengeschlossen, um auf die Problematik der 24-Stunden-Betreuung aufmerksam zu machen und für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

Mona Vetsch diskutiert im «Club» mit Exponentinnen des schwelenden Konfliktes:

Bozena Domanska, Betreuerin aus Polen
Tina Sasse, Geschäftsführerin einer privaten Spitex-Firma
Katharina Prelicz-Huber, Präsidentin VPOD Schweiz
Claudia Weisenburger, Inhaberin einer Betreuungsagentur
Sarah Schilliger, Soziologin Uni Basel, forscht zu Pendel-Migration aus Osteuropa

Aussagen der Gäste:

Bozena Domanska: «Wir leisten unsere Arbeit gern, aber wir sind nicht mehr bereit, uns ausnützen zu lassen. Viele Frauen haben Angst, sich zu wehren.»

Tina Sasse: «Die Frauen aus dem Osten verdienen in unserer Firma einen angemessenen Lohn für ihre Leistung. Es gibt jedoch Kunden, die für eine gute Leistung möglichst wenig bezahlen wollen und Pflegerinnen, die für eine durchschnittliche Leistung übertriebene Lohnvorstellungen haben.»

Katharina Prelicz-Huber: «Wir entziehen den Ländern wertvolle Pflegerinnen und erzeugen bei uns ein Lohndumping. Das wirkt sich schlecht auf die Pflegequalität aus und löst längerfristig den Pflegenotstand nicht.»

Claudia Weisenburger: «Ich finde in der Schweiz kein Betreuungspersonal. Die meisten Frauen sehen Betreuung ausschliesslich als Arbeit. Die Frauen aus dem Ostblock integrieren sich eher in die Familie. Das macht sie so wertvoll für diesen Job.»

Sarah Schilliger: «Betreuungs-Arbeit – schon immer prekäre Arbeit, meist unbezahlt von Frauen geleistet – wird nun zwar entlöhnt, aber zu tiefen Löhnen. In Privathaushalten etabliert sich dabei ein Niedriglohnsektor, ein Sonderarbeitsmarkt für Pendelmigrantinnen.»